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Taktische Stellungsbilder

In diesem Kapitel werden einige taktische Dinge gezeigt, die in der Praxis häufig vorkommen und oft eine Partie entscheiden können, da sie meist zu Materialverlust führen können.
Der Doppelangriff

Die Fesselung

Von einer Fesselung spricht man immer dann, wenn eine Figur nicht wegziehen darf (oder sollte), weil dann der König im Schach stände oder eine andere wichtige Figur verloren ginge. In der folgenden Stellung darf der Läufer nicht ziehen:

....K...
....L...
........
...b....
........
....t...
........
....k...

Im nächsten Diagramm dürfte der Springer zwar ziehen, allerdings wäre dann im folgenden Zug die schwarze Dame verloren.

D...K...
........
..S.....
........
........
........
......l.
....k...
Fesselungen aller Art sind meist sehr unangenehm und sollten wenn immer möglich vermieden werden! So können Fesselungen sehr schnell zum Verlust von Figuren führen, so könnte Weiß zum Beispiel im ersten Diagramm den Bauern von d5 nach d6 ziehen und im nächsten Zug den Läufer schlagen, da dieser ja nicht fliehen kann.

Das Abzugsschach

Beim Abzugsschach wird das Schach dem König nicht von der ziehenden Figur geboten, sondern entsteht dadurch, dass der Weg für eine andere Figur frei wird.

In der folgenden Stellung entsteht ein Abzugsschach, wenn Weiß z.B. den Läufer aus der e-Linie zieht, da so der Turm dem König ein Schach bietet. Man sieht auch sofort die Gefahr für Schwarz, da nach Le2-f3 der Läufer die Dame angreift, Schwarz aber die Dame nicht retten kann, da gleichzeitig der weiße Turm Schach bietet.

D...K...
........
........
........
........
........
....l...
....tk..
Daher: Möglichst nie wertvolle Figuren wie König, Dame, Turm oder nicht gedeckte Leichtfiguren so hinter potenziell abziehende Figuren des Gegners stellen!

Das Doppelschach

Beim Doppelschach geben zwei verschiedene Figuren gleichzeitig Schach. Dies ist möglich, wenn beim Abzugsschach die abziehende Figur wieder ein Schach bietet. Ein Doppelschach hat den Vorteil, dass die schachbietende Figur nicht geschlagen werden kann, so dass immer der König ziehen muss.

Das folgende Diagramm zeigt ein Beispiel. Obwohl beide Schach bietenden Figuren nicht ausreichend gedeckt sind, kann Schwarz doch keine schlagen und ist matt.

......sk
....d...
.....T..
...KL..t
........
........
........
........
1....Tf6-h6#

Der Spieß

Von einem Spieß spricht man, wenn ein Läufer auf einer Diagonalen mehrere (meist höherwertige) Figuren aufspießt. Falls nun eine der Figuren zieht, ist eine andere immer noch bedroht und kann geschlagen werden.

In der folgenden Stellung ist ein Turm verloren (Schwarz erhält nach Ta8-d8 nur einen Läufer dafür). Stände aber auf g1 kein weißer Turm, so könnte Schwarz beide Türme durch Ta8-a1+ retten.

T...K...
........
........
...T....
....l...
........
.......b
......tk

Die Gabel

Bei der Gabel greift eine Figur oder ein Bauer mehrer Figuren gleichzeitig an, so daß sich nicht alle in Sicherheit bringen können. Falls mehr als zwei Figuren angegriffen werden, spricht man auch von einer Familiengabel.

....K...
........
........
........
........
........
..S.....
t...k...
....K...
........
...S.S..
....b...
........
........
........
.....k..

Weitere taktische Elemente
Neben dem direkten Angriff auf mehrere Figuren besteht noch weitere Möglichkeiten. So kann eventuell eine gegnerische Verteidigungsfigur getauscht oder von ihrer Aufgabe abzulenken werden.

Die Beseitigung der Schutzfigur

Eine Figur, die einen angegriffenen Stein deckt, wird getauscht oder durch ein Opfer beseitigt. Im folgenden Diagramm ist der angegriffene Turm nur durch den Springer auf e7 gedeckt.
.....DK.
.t..SBBB
.....L..
.....T..
....d...
........
.....bbb
.....tk.
1.Tb7xe7Lf6xe7
1.De4xf5
In diesem Beispiel wurde der Springer gebraucht, um eine eigene Figur zu decken. Es gibt aber auch Beispiele, bei denen die Deckung eines wichtigen Feldes gebrochen wird, im folgenden Beispiel das Feld für eine Springergabel.
.....T.K
....L.BB
........
....D.s.
........
........
.....d..
......k.
1.Df2xf8+Le7xf8
1.Sg5-f7+

Die Ablenkung

Eine gegnerische Figur wird durch ein Opfer von ihrer Aufgabe abgelenkt. Im folgenden Beispiel wird der König von der Deckung der Dame abgelenkt.
.......K
........
........
........
........
.......T
.....kbD
......d.
0.Th3-f3+
2.Kf2xf3Dh2xg1

Die Hinlenkung

Im Gegensatz zur Ablenkung ist hier das Ziel, eine gegnerische Figur auf ein bestimmtes Feld zu lenken, so dass z.B. eine Gabel möglich ist.
...D..K.
........
........
......st
........
........
........
......k.
1.Th5-h8+Kg8xh8
1.Sg5-e7+

Im folgenden wird die Dame zu einem nicht vom König deckbaren Feld gelenkt.

......K.
........
........
........
D.......
..t.bT..
........
..k.d...
0.Tf3-f1
2.De1xf1Da4-a1+



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22. Oktober 2000